Geschichte & Umbau: Gemeinde Neckarwestheim

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Geschichte

Eine Bücherei in Neckarwestheim gibt es schon seit über 100 Jahren.

Frühere Ortsbüchereien

Erste Nachweise über eine Bücherei in Neckarwestheim findet man im Jahre 1890. Ausgehend von der Schulverwaltung wurde sie vom Ortsgeistlichen gegründet. Die Bücher sollten der Unterhaltung und der Bildung dienen. Die Ausgabe der Bücher erfolgte nur im Winterhalbjahr.

Zur Beschaffung von Büchern gab es zum Anfang von der Centralleitung in Stuttgart einen einmaligen Beitrag von 30 Mark. Auch aus dem Schulfonds wurden dafür zehn Mark bewilligt. Bis zum Jahre 1897 erreichte man einen Bücherbestand von ca. 200 Stück bei 140 Lesern. Die Bücherei hatte der Vikar zu verwalten. Im Jahre 1900 hatte man 320 Bände zur Verfügung, wovon in der Woche durchschnittlich 50 Bücher ausgeliehen wurden. Die Verwaltung erfolgte jetzt durch den Unterlehrer. Eine Leihgebühr von zwei Pfennig wurde für ein Buch in der Woche erhoben. Der Bestand an Büchern hat sich laufend vermehrt. So zählte man 1912 480 und 1920 600 Bände.

Ein besonderes Merkmal der Vergangenheit war immer das Fehlen der notwendigen Mittel. So leistete die Gemeinde 1927 nur den bescheidenen jährlichen Beitrag von 20 Reichsmark. Die Lesegebühr betrug zehn Pfennig. Der Büchereileiter machte den Vorschlag, den Gemeindebeitrag auf 50 Reichsmark zu erhöhen, dann könne auf die Lesegebühr verzichtet werden. Die Finanzierung erfolgte dann 1928 durch einen Beitrag der Gemeinde von 50 Reichsmark, durch eine Stiftung von Büchern im Wert von 60 Reichsmark aus Stuttgart und durch eine im Ort durchgeführte Haussammlung, die 82 Reichsmark und 85 Pfennig erbrachte.

Die von den Amerikanern verfügte und überwachte Anordnung, die Bücherei vom NS-Schrifttum zu säubern, brachte nach dem Krieg eine erhebliche Bestandsminderung mit sich. Ein neuer Aufbau zog sich wegen fehlender Mittel über längere Zeit hin. Der Bestand wies 1959 wieder auf: 156 Romanbände, 113 Sachbücher und 77 Jugendbücher. Benützt wurde die Bücherei von 28 Erwachsenen, 14 Jugendlichen und 25 Kindern, zusammen also 67 Lesern.

Durch die laufende Verbesserung der finanziellen Ausstattung ergab sich eine Erhöhung und Aktualisierung der Bände, was auch zu größeren Leserzahlen führte.

Nachdem die Bücherei sieben Jahrzehnte nur von Lehrern geführt wurde, kam mit dem ersten „Nichtlehrer“, Otto Hitzler, ein neuer Anfang.

Durch die laufende Verbesserung des Etats kam es zu immer höheren Beständen. Auch die bisher bestandenen Raumprobleme konnten nach dem Neubau der Grundschule verbessert werden: Die Bücherei zog vom beengten Erd- in das großzügigere Untergeschoß der Alten Schule um.

Hier wurden nun neben Büchern erstmals auch Musikkassetten angeboten. Im Frühjahr 1984 übernahm dann Rita Bernhardt die Leitung der Bücherei bis 1991.

1992 - Treffpunkt Bücherei

Nach nur dreimonatigem Umbau konnte im April 1992 die Bücherei in die neuen Räumlichkeiten in der ehemaligen Ratsschenke im Rathaus-Komplex einziehen. Die neue Konzeption wurde von Diplom-Bibliothekarin Eva Lürkens erstellt, die nach dem Studium den Treffpunkt Bücherei leitet.

Mit dem neuen Ort wurde auch ein neues Konzept verwirklicht: Die Ortsbücherei sollte nicht nur ein Ort sein, wo sich Leseratten Bücher ausleihen können; sie sollte ein Treffpunkt für jung und alt sein, wo man nicht nur schmökern oder Audio-Kassetten hören, sondern auch spielen oder sich einfach nur treffen kann. Ergänzend jedoch zunehmend als wichtiger zentraler Informations- und Knotenpunkt in der Gemeinde fungiert. Neben Bücherregalen laden seit dem Umzug gemütliche Sitzecken und Tische mit eingebauten Spielbrettern zum Verweilen ein. Helle Regale und ebenfalls hell gehaltene Wände schaffen eine angenehme Atmosphäre. Zahlreiche kulturelle Angebote werden dankbar in der Bevölkerung angenommen.

2002 Der Treffpunkt wird 10

Die Ortsbücherei trägt jetzt seit 10 Jahren den Namen „Treffpunkt Bücherei“ – und das zu recht. Sie ist Treffpunkt des öffentlichen Lebens für alle Bürger Neckarwestheims. Neben ihrer Aufgabe als Vermittler von Informationen und Medienkompetenz ist sie vor allem ein Ort der Kommunikation.

Im Café Livre an zwei Nachmittagen pro Woche treffen sich Erwachsene auf eine Tasse Kaffee oder Tee, zahlreiche Kinder und Jugendliche nutzen die Sitznischen zum reden, spielen, lesen oder um etwas für die Schule nachzuschlagen. Keine Spur von einer staubigen Bücherei, wo nur geflüstert werden darf – ganz im Gegenteil!

Die Bücherei ist eine wichtige kulturelle Einrichtung der Gemeinde, die für verschiedene Bevölkerungsgruppen Veranstaltungen anbietet. Besonders für Kinder stehen zahlreiche Aktionen zur Leseförderung und Unterhaltung auf dem Programm. Hierbei stehen die Vermittlung von Literatur im Vordergrund, die eine Grundlage für spätere Mediennutzung legen.

Der Schwerpunkt der Büchereiarbeit liegt natürlich weiterhin auf dem vielfältigen Medienbestand. Hier bewegt sich die Bücherei immer mehr Richtung Neue Medien, um der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung zu tragen und alle Bürger mit den verschiedenen Medienarten und ihren Möglichkeiten vertraut zu machen.

Der erste öffentliche Internetplatz Neckarwestheims bietet seit Januar 2002 allen Bürgerinnen und Bürgern kostenlosen Zugang zum weltweiten Datennetz. Ein weiteres kostenloses Angebot, das die Medienvielfalt der Einrichtung untermauert. Sei es, um Informationen zu finden für Schulreferate, für den nächsten Urlaub, um e-mails um die ganze Welt zu schicken... es gibt fast nichts, was im weltweiten Datennetz nicht möglich wäre. Kein Wunder, daß der Computer oft non-stop besetzt ist!

Die so genannten Non-Book-Medien sind die Renner in der Ausleihe. Gerade in diesem Bereich zeigt sich die Aufgabe der Bücherei, der „Zwei-Klassen-Informationsgesellschaft“ entgegenzuwirken, indem sie Medien anbietet, zu denen viele Bevölkerungsgruppen keinen Zugang haben aufgrund von Kosten, technischen oder die Kenntnis betreffenden Voraussetzungen. Diese hervorragende Nutzung der Neuen Medien ist jedoch weniger mit „Lesefaulheit“ zu begründen als durch die natürliche Neugier auf die Neuen Medien, die Kinder noch eher spielerisch nutzen – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zum Buch. Das oft beschworene Ende des gedruckten Buchs ist bei uns in keinster Weise spürbar.

Die Bücherei verfügt 2002 über mehr als 9000 Medien mit fast 20 000 Entleihungen im Jahr 2001. Allein 80 Prozent davon wurden über den Buchbestand erreicht.

Auf jede Mitarbeiterin kamen somit 20 000 Buchungsvorgänge am Computer. Im Durchschnitt gesehen wurde die ganze Bücherei im Jahr 2 mal ganz aus- und wieder eingeräumt!

Neben der Ausleih- und Beratungstätigkeit werden Informationen beschafft, Medien ausgewählt, gekauft und eingearbeitet, Veranstaltungen organisiert und durchgeführt um die Bücherei immer wieder neu zu dem zu machen, was die Neckarwestheimer an ihr schätzen: eine vielfältige und immer wieder aufs Neue interessante Einrichtung!

2010 MEDIENWELT

Aus dem "Treffpunkt Bücherei" wird die moderne "MEDIENWELT": Lesen Sie dazu auch im Bereich "Umbau" weiter. Mit Fachpersonal, kundenorientierten Öffnungszeiten und einem auf Neckarwestheimer Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot ist die Bücherei im 21. Jahrhundert angekommen. Durch den Umbau konnten größere Fläche, übersichtlichere Präsentation sowie zusätzliche Angebote wie Leseterrasse, mehr Computerplätze und bequeme Aufenthaltsmöglichkeiten realisiert werden. Seit vielen Jahren ist die MEDIENWELT nun schon der Besuchermagnet am Marktplatz - und wir entwickeln uns stetig weiter.

Umbau

Geschafft!

Es ist vollbracht: Nach 8monatiger Umbauzeit und vorübergehendem Ausleihbetrieb im benachbarten Ratssaal konnte die Bücherei im März 2010 ihre Wiedereröffnung feiern.
Lesen Sie unser Umbautagebuch mit zahlreichen Fotos.

Die Heilbronner Stimme berichtete mehrfach über unseren Umbau:

  • Bericht vom Juni 2009 hier
  • Bericht vom August 2009 hier
  • Bericht vom März 2010 hier

(Alle Daten ohne Gewähr - Änderungen vorbehalten).

Aus der Rede von Bürgermeister Mario Dürr (Sitzung des Gemeinderats vom 17.12.2008):

"Die Erweiterung unserer Bücherei stellt den nächsten Schritt dar, das Thema Bildung in unserer Gemeinde weiter voran zu bringen. Der Umbau der Bücherei wird auch diese gemeindliche Einrichtung fit für das neue Jahrhundert machen. Mit der neuen Raumaufteilung und einiger Quadratmeter mehr Fläche können die neuen Medien und das Internet besser präsentiert und genutzt werden. Zusätzliche neue kostenlose Internetarbeitsplätze werden es unseren Bürgerinnen und Bürgern noch besser möglich machen, dieses wichtige Medium zu nutzen. Der Treffpunkt Bücherei soll mit dem Umbau seine Funktion als kulturellen Ort, als Treffpunkt für Jung und Alt, als Bildungsort, attraktiv gehalten werden und noch mehr Bürger ansprechen."

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